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Selbständigkeit mit 65+

Peter Schlittler hat sich nach der Pensionierung erfolgreich selbständig gemacht. 

Vorher war Peter Automechaniker, Feinmechaniker, Distributionsleiter, Liegenschaftsverantwortlicher, privater Beistand und technischer Leiter.
Zufrieden, gebraucht und gefordert; unternehmerisch denkend und handelnd statt in einer Abwarteposition. 

Lieber Peter, heute kann man dich «mieten». Wie bist du auf diese Geschäftsidee gekommen? 

Das «Mieten» hat anfänglich bei Familie und Freunden zu schmunzeligen Reaktionen geführt. «So, so. Mann/Frau kann dich also mieten.» Als dann die Aufträge reinkamen, hat sich das Schmunzeln korrigiert und die Ernsthaftigkeit eingestellt.

Bei einer neuen Mieterin im selben Haus, in dem auch das Atelier meiner Frau ist, hat sich die Frage von verschiedenen Lösungen für den Verkaufs- und Lagerraum sowie die Präsentation von Produkten gestellt. Während den Arbeiten hat eine Journalistin einen Artikel erarbeitet, der das neue Geschäft präsentieren soll. Dabei kam auch die Hilfe meinerseits zur Sprache, was dann der eigentliche Auslöser zu meinem Angebot rentdepieter war. Nach dem Zeitungsartikel war ich gefordert, die Wünsche meiner neuen Kundschaft zu ordnen, terminlich zu organisieren sowie Material zu bestellen.

Verrate uns, wie du handwerklich Unbegabten unter die Arme greifst. Was kannst und machst du alles? 

Ganz verschiedene Dinge, wo die Leute auch immer Hilfe brauchen. Hier ein paar Beispiele: 

  • Ein Junge wollte ein neues tolles Lenkrad an seine Spielkonsole anbauen. Dabei habe ich ihm mit Anleitung und Werkzeug geholfen.
  • Scharniere am Küchenschrank einstellen und teilweise ersetzen.
  • Das Frostventil eines Garten-Aussenhahns ersetzen.
  • In EFH Neubau Gestelle mit Maueranker aufbauen.
  • Mähroboter reparieren. 
  • Gartenschlauchhalter montieren.
  • Leuchtmittel im ganzen Haus auf LED umbauen.
  • Blockierten Gartenschredder zerlegen und gangbar machen.
  • Das Ventil eines Wassermischers ersetzen
  • WC Spülung reparieren.
  • Kellerwände teils mit Isolation auskleiden. 
  • Garagenplätze am Boden farblich einzeichnen

Die Leute fragen an, ich hinterfrage und schätze ab, wo die Fähigkeiten und Grenzen meiner Kompetenzen liegen.

In welchem Gebiet sollte ich wohnhaft sein, um in den Genuss deiner Dienste zu kommen? Oder bist du in der ganzen Schweiz unterwegs? 

Offenlassen, was wo stattfinden soll, eröffnet Möglichkeiten, an die vorher gar nicht gedacht wurde. Kosten, Nutzen und Lösungen werden bei allen Anfragen individuell entschieden, da will ich mich nicht festlegen.

Machst du Werbung für dein Angebot oder reicht die Weiterempfehlung bestehender Kund:innen? 

Werbung zu schalten war bis anhin nicht vorhergesehen. Mein Ziel ist nicht, von Anfragen zugeschüttet zu werden – ich möchte weiterhin auch meine Freizeit geniessen. Es wäre ja fatal, wenn das Pensum gleich gross wie vor der Pensionierung wäre. Ich erhalte heute noch Anfragen aufgrund des damaligen Inserats in der Zeitung. Das haben wohl einige mit guter Absicht und einem Magnet an ihren Kühlschränken angebracht ;-)

Was hast du vor deiner Pensionierung beruflich alles gemacht?

In meinem Leben war ich Automechaniker, Feinmechaniker, Distributionsleiter im technischen Handel, Liegenschaftsverantwortlicher, privater Beistand und – einige Fans wird’s freuen –, technischer Leiter im Kinderzirkus Robinson.

Ich habe also schon an ganz unterschiedlichen beruflichen Stationen Halt gemacht. Und dieses Allroundertum möchte ich auch mit rentdepieter beibehalten und mich nicht auf ein ganz bestimmtes Angebot oder Tätigkeitsgebiet festlegen. Ich bin offen für Neues und gespannt auf alle Arten von Anfragen.

Warum legst du nicht die Beine hoch und/oder reist in der Welt herum? Das wäre ja wohlverdient nach deinen vielen Berufsjahren.

Kürzlich waren wir in Portugal, haben den Süden und die Algarve bereist. Die Eindrücke sind toll gewesen. Ich war dann aber doch froh, wieder in Kloten zu landen, Zuhause anzukommen und mich mit den kommenden Terminen auseinanderzusetzen. 
Wohlverdient ist für mich, wenn ich zufrieden sein kann und auch gebraucht und gefordert bin. Frei zu entscheiden, was ich meinen Fähigkeiten entsprechend anbieten und machen möchte.

Deine Frau Maya Lörtscher ist ebenfalls ein bekanntes Gesicht in der Arbeitswelt 65+ und designt und produziert erfolgreich Taschen sowie Accessoires. War euch beiden schon immer klar, dass ihr auch im Rentenalter berufstätig bleiben wollt? 

Klar war uns beiden schon immer, dass wir keine Abwarteposition einnehmen. Wir haben beide teilweise miteinander bewegt und tun es heute immer noch – beide nach der eigenen Passion und Kreativität sowie der gegenseitigen Reflexion.

Und zum Schluss: Wenn du auf deinen bisherigen beruflichen Weg zurückschaust, was war dein bedeutendster Looping? 

Ein «bedeutendster Looping» fällt mir nicht ein. Aber ich finde es ganz allgemein gesagt super, dass ich mit guter Bildung und Weiterentwicklung sowie sozialer Kompetenz meine Laufbahn lang immer beharrlich arbeiten konnte. Unternehmerisches Denken und Handeln im Angestelltenverhältnis war zudem eine Stärke von mir, die ich gerne gelebt habe und auch stets Anklang beim Arbeitgeber fand. Ich hatte immer Freude an dem, was ich gemacht habe. Und das ist noch heute so.

Vielen Dank, Peter!

Von Stephanie Cengiz, 26. Juni 2023 
Fotos: Balz Murer, zuonline.ch

 

 

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